Freitag, 31. Oktober 2014

Allheilmittel selbstbestimmter Tod? Gott ist aller Heil!


Statio zu Allerheiligen 2014

Liebe Gemeinde,
was halten Sie von Sterbehilfe? Oder davon, dass Ärzte beim Selbstmord assistieren? Darüber wird ja viel diskutiert. Einige Politiker wollen das Gesetz ändern.

Vor einer Woche machte eine junge Frau aus den USA Schlagzeilen. In der Zeitung las ich: Brittany Maynard wolle sich am 1. November – an Allerheiligen – das Leben nehmen. 29 Jahre ist sie erst. Leidet an einem Hirntumor – unheilbar. Ärzte haben ihr Gift verschrieben. In Oregon in den USA ist das erlaubt. Die Fläschchen mit dem Gift trägt Brittany bei sich. Ihr Ehemann sagt: „Nicht leiden zu müssen, sondern entscheiden zu können, wann es genug ist, ist eine große Erleichterung.“ -  Ihren Selbstmord hatte sie angekündigt in einem YouTube-Video. Gedreht von einer Organisation, die in den gesamten USA Sterbehilfegesetze durchsetzen will.
Wie mag es Brittany wohl gehen? Ob sie das Gift tatsächlich nimmt? Gestern hab ich gedacht: Was ist, wenn für sie das Leben am 1. November doch lebenswert ist? Unter welchem Druck mag sie nun stehen? Heute kam ein neues Video: Sie verschiebt den Termin ihres Todes. Das Leben sei im Moment noch schön.

Ein anderes Beispiel:
Im letzten Jahr starb Walter Jens. Er war Schriftsteller. Einer der bedeutenden Denker in Deutschland. 90 Jahre ist er geworden. In jungen Jahren kämpfte für die aktive Sterbehilfe. Für sich selbst hatte er klar, dass er nicht mehr leben wolle, wenn er nur ein Schatten seiner selbst sei. 1994 sagte er: „Darf ich nach einem selbst-bestimmten Leben nicht auch einen selbstbestimmten Tod haben, statt als ein dem Gespött preisgegebenes Etwas zu sterben, das nur von fern her an mich erinnert?“ 20 Jahre später wurde er dement. Seine Familie und ein befreundeter Arzt hatten versprochen, ihm seinen Sterbewillen zu erfüllen. Aber es kam anders. Etwa 10 Jahre lebte er noch. Trotz Demenz. Wird pflegebedürftig. Doch niemand nimmt ihm das Leben. Der Grund: Sein Sohn berichtet über seinen dementen Vater: „Dann, auf einmal, lächelt mein Vater und sagt: „Aber schön ist es doch.“ [1]

Warum wünschen sich Menschen Sterbehilfe oder Hilfe beim Selbstmord? Untersuchungen aus den Niederlanden haben gezeigt: Es ist nicht in erster Linie die Angst vor unerträglichen Leiden. Die häufigsten Motive waren: Furcht, die Würde zu verlieren; man will keinem zur Last fallen; Einsamkeit und Depression. 
Die Untersuchungen brachten noch etwas anderes zutage: Neben der Tötung auf Verlangen – da konnten die Patienten ihren Willen ganz klar äußern – gab es jährlich etwa 1000 Fälle, die es vom Gesetz her eigentlich gar nicht geben durfte: 1000 Fälle von aktiver Sterbehilfe, die vom Arzt durchgeführt wurden – ohne ausdrückliches und beständiges Verlangen des Patienten. Als Motiv für ihr Tun nannten Ärzte – natürlich anonym – nicht an erster Stelle Schmerzen oder Leiden der Patienten. Wichtigere Motive waren: die zu erwartende niedrigere Lebensqualität; die Erfolglosigkeit weiterer Therapien  und vor allem: der Wunsch der Angehörigen…[2]

Auch wenn eine Gesellschaft es schaffen sollte, Missbrauch auszuschließen: Ich persönlich halte eine Lockerung der Gesetze für gefährlich.
Ich frage mich: Würde die Palliativmedizin noch ausgebaut werden? Würde weiter geforscht? Das ist ja teuer. Für Krankenkassen wäre der ärztlich assistierte Selbstmord billiger, als eine lange Schmerztherapie. 1998 nannte man das mit dem Unwort des Jahres: „sozialverträgliches Frühableben“. Damals ging es um die Rente. Als Rentner verursache ein Mensch mehr Kosten, als er Nutzen bringe – zumindest volkswirtschaftlich gesehen. - Das ist menschenverachtend.
Weiter frage ich mich: Wenn die Tötung auf Verlangen legal wird, was ist mit denjenigen, die sich dagegen entscheiden? Die den Zeitpunkt des Todes in andere Hände legen? Geraten die nicht unter einen ungeheuren Rechtfertigungsdruck? Schon heute müssen sich ja Eltern rechtfertigen, wenn sie ein behindertes Kind bekommen. Oft heißt es dann: „Das muss doch heute nicht mehr sein.“ Wäre die Selbstbestimmung über den Zeitpunkt des eigenen Todes eine neue Freiheit, oder würd es einmal zum Zwang, es tun zu müssen?

Darf eine Gesellschaft das Leid aus der Welt schaffen, indem sie die Leidenden aus der Welt schafft? Jemand hat mal gesagt: „Den Zivilisationsgrad einer Gesellschaft kann man daran messen, wie sie mit den Schwächsten umgeht.“ Beim Thema ärztlich assistierter Selbstmord oder Tötung auf Verlangen geht es auch um die Werte, die einer Gesellschaft wichtig sind. Lebenswert scheint heute zu sein: Erfolg haben, schön sein, aktiv sein. Ihr Heil sehen viele Menschen darin, selbstbestimmt zu sein, unabhängig und vor allem: gesund. Ja, Hauptsache gesund!

Wenn wir heute Allerheiligen feiern gedenken wir aller Heiligen. Die meisten, die die Kirche heiliggesprochen hat, waren allerdings alles andere als gesund. Viele hatten zeit ihres Lebens mit körperlichen oder seelischen Leiden zu kämpfen. Einige Beispiele: Hildegard von Bingen: sie hatte wohl starkes Rheuma. War oft ans Bett gefesselt. Ignatius von Loyola humpelte. Wegen einer Kriegsverletzung. Franz von Assisi wurde blind. Und Bernadette aus Lourdes starb an Knochentuberkulose. Die Heiligen waren alles andere als gesund. Aber sie waren heil.

Was bedeutet eigentlich heil sein, wenn es nicht gesund sein heißt? Heil sein heißt für mich: Bei Gott sein, vollkommene Nähe zu ihm erfahren. So, wie es im Paradies war: Nachdem Gott die Welt erschaffen hatte, sah er alles an und es war sehr gut. Die Menschen lebten noch im Einklang mit sich selbst, mit ihren Mitmenschen und mit Gott. Sie empfanden inneren Frieden. Die Heiligen hatten davon eine Ahnung. Sie haben alles von Gott erwartet, nicht von ihrer Gesundheit. Er war der Grund und das Ziel ihres Lebens. So, wie es im Evangelium heute heißt: „Selig, die arm sind vor Gott, denn ihnen gehört das Himmelreich.“ Die Einheit mit Gott machte die Heiligen heil. Man kann sagen: Gesundheit ist spätestens mit dem Tod zu Ende. Das Heil aber kommt mit dem Tod zur Vollendung. Das ist keine Jenseitsvertröstung. Es geht um´s Heil-sein im Hier und Jetzt. Wer mit Gott lebt wird heil. Im Leben nach dem Tod und vor allem schon im Leben vor dem Tod. 
 
Wenn wir heute Allerheiligen feiern, gedenken wir des Heils im doppelten Sinn: Wir gedenken aller Heiligen und wir feiern unser aller Heil. Eben Aller-Heil-igen. Im Grunde feiern wir jetzt im Herbst ein Osterfest. Denn wir glauben, dass die Heiligen schon von Gott vollendet sind. Und damit meine ich nicht nur die von der Kirche Heiliggesprochenen. Damit meine ich alle Christen, die vor uns gelebt und geglaubt haben. 
Auch kranke Menschen können heil sein. Viele Pilger berichten, dass sie aus Lourdes anders wieder nach Hause gekommen sind – trotz Krankheit. Ich glaube, sie haben inneren Frieden gefunden – gerade in der Krankheit.  

Unsere Aufgabe als Gesellschaft ist es, dafür zu sorgen, dass kranke und sterbende Menschen keine Angst haben müssen, allein zu sein. Dass sie liebevolle Pflege erhalten – ohne Bürokratie und ohne Geldsorgen. Unsere Aufgabe ist es, Menschen mit Krankheit und Behinderung das Gefühl zu geben, dass sie wertvoll sind und keine Last. Vor allem gilt es, ihre Würde zu wahren. Dazu gehört auch, keine Schmerzen zu haben. Alle schwer Kranken müssen Zugang zur Palliativmedizin erhalten. Da gibt es noch viel zu tun.

Und wenn doch jemand um Hilfe zum Selbstmord bittet?
Christen dürfen niemanden verurteilen. Ich habe Hochachtung vor Nikolaus Schneider – dem Ratsvorsitzenden der EKD. Entgegen seiner Überzeugung als Christ würde er seine Frau zum Sterben begleiten in die Schweiz – aus Liebe.

Für Christen ist das Leben unantastbar. Ein Geschenk Gottes, das es zu schützen gilt. Nicht für aktive Sterbehilfe dürfen Christen eintreten, sondern für aktive Lebenshilfe. Dem fühlt sich die Hospizbewegung verpflichtet. Sie handelt nach den Worten ihrer Gründerin Cicely Saunders. Diese sagte Sterbenden: „Sie sind bis zum letzten Augenblick ihres Lebens wichtig. Und wir werden alles tun, damit Sie nicht nur in Frieden sterben sondern auch bis zuletzt leben können.“

Bis zuletzt leben. Und sterben im Vertrauen darauf, dass wir nicht tiefer fallen können als in die Hände Gottes.

(Anne-Marie Eising, Pastoralreferentin St. Otger, Stadtlohn)




[1] Michael Strom, CIG Nr. 13/2009, S. 135f.
[2] Dr. Dr. Peter Fonk, Handeln aus christlicher Verantwortung, LB23 Theologie im Fernkurs 2002, S. 97ff.

Mittwoch, 22. Oktober 2014

Nikolaus oder Weihnachtsmann?

Liebe Kinder,
ich glaube an den Nikolaus. Der hat wirklich gelebt. Er war vor vielen Jahren Bischof in der heutigen Türkei. Für mich ist der heilige Nikolaus ein Vorbild im Glauben. Er zeigt mir, wie ich als Christin leben kann.
Ich finde den Nikolaus auch besser als den Weihnachtmann. Dieser ist nämlich erfunden. Darum mache ich mir aus dem Schoko-Weihnachtsmann einen Nikolaus. Wie das geht, kannst du hier sehen: Nikolausbastelbogen - Aktion Weihnachtsmannfreie Zone

Die Aktion "Weihnachtsmannfreie Zone" setzt sich dafür ein, dass der heilige Nikolaus nicht vergessen wird. Hier mehr: Film zur Aktion Weihnachtsmannfreie Zone

Bestimmt weißt du, wer der heilige Nikolaus war. Hier kannst du es noch einmal nachlesen: Wer war der heilige Nikolaus?

Übrigens:
Die Messdiener verkaufen jedes Jahr den "echten" Schoko-Nikolaus.

Auch im K-Punkt (Dufkampstr. 20) kannst du ihn kaufen.

Donnerstag, 4. September 2014

Buchempfehlungen

Die Eucharistie

 Genährt und gesendet

Inhalt
Die Eucharistie ist das Geschenk Jesu, durch das er den Christen auf dem Weg ihres Lebens stützend und nährend nahe ist. Die Bild- und Text-Meditationen fördern ein tieferes Verständnis der heiligen Messen und eignen sich als wertvolles Geschenk für jung und alt. (Eher für Erwachsene)

Sonntag, 24. August 2014

Menschen für die Liebe Gottes aufschließen

Statio zu Mt 16, 13-20

21. So. LJA – 23./24.8.2014


Liebe Gemeinde,
manche Leute erzählen sich gerne Witze über Petrus, den Türsteher des Himmels. Kennen Sie den schon?
„Ein Pfarrer und ein Reisebusfahrer warten vor der Himmelstür. Endlich lässt Petrus den Busfahrer hinein. Dem Gottesmann verwehrt er den Eintritt. „Wenn du gepredigt hast, haben die Leute in der Kirche geschlafen. Aber wenn der da am Lenkrad saß, haben alle Leute im Bus gebetet.“

Nun hoffe ich mal, dass Sie bei meiner Predigt nicht einschlafen werden. Und ebenso hoffe ich, dass Sie nicht nur beten, wenn Sie eine Heidenangst haben oder Panik. Das Wort Panik kommt vom griechischen Gott Pan. Der Schutzgott der Hirten. Vor ihm hatten alle Angst. Halb Mensch, halb Ziegenbock konnte er die Herden so erschrecken, dass sie plötzlich auseinander liefen. Fatal für die Hirten, wenn sie dadurch Tiere verloren. Deshalb versuchte man den Pan bei Laune halten –mit Opfern.

Vor so einem Heiligtum des Pan steht Jesus heute im Evangelium mit seinen Jüngern. In Caesarea Philippi: Ein Tempel des Hirtengottes Pan. Dort sagt er ihnen: „Die Mächte der Unterwelt werden die Kirche nicht bezwingen.“ In der Unterwelt herrscht der Tod. Und vor dem haben die Menschen ja am meisten Angst. Vor der Kulisse des Panheiligtums sagt Jesus den Jüngern also: „Habt keine Angst, ich selbst werde den Tod bezwingen.“ Wer sich zu Christus bekennt, braucht keine Panik zu haben vor dem Tod. Weder vor dem persönlichen, noch vor dem Tod – dem Untergang – der Kirche. Vorausgesetzt, die Christen nutzen den Schlüssel des Himmelreiches, den Jesus dem Petrus übergibt.

Im Witz entscheidet Petrus darüber, wer in den Himmel kommt. Für Jesus ist klar: Das ist die Sache Gottes. Aber Petrus soll den Menschen den Zugang zu ihm eröffnen. Die Kirche soll die Menschen für die Liebe Gottes aufschließen. Und keine Angst haben vor dem Untergang. Die haben allerdings heute Viele. Nicht nur die Bischöfe. Der Grund sind die jüngsten Zahlen zu den Kirchenaustritten. Manche appellieren dann: Wir müssen den Menschen die Werte der Kirche einfach anders vermitteln. Die Sprache der Leute sprechen. Allerdings, ich glaube, allein um die Ausdrucksweise ging es Jesus bestimmt nicht bei der Schlüsselübergabe. Den Menschen den Himmel aufschließen heißt, sie mit Gottes Liebe in Berührung zu bringen. Das schließt handfeste Veränderungen mit ein! Jesus nennt das „binden und lösen“. Im Evangelium sagt er dem Petrus und damit der ganzen Kirche: „Was du auf Erden binden wirst, das wird auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird auch im Himmel gelöst sein.“

Jesus spricht hier nicht von Hochzeit und Scheidung. Er redet davon, dass Gesetze und Normen auch geändert werden müssen. Immer dann, wenn sie den Menschen den Zugang zur Liebe Gottes versperren. Diese Binde- und Lösegewalt hatten im Judentum bereits die Schriftgelehrten und Rabbiner. Sie sollten feststellen, ob ein Gesetz Gottes noch verbindlich war oder ob es aufgelöst werden musste. In einer bestimmten Zeit entstanden, passt es nicht für alle Zeit. Binde- und Lösegewalt heißt: was die Schriftgelehrten in ihrer Zeit für verbindlich erklärten, galt auch vor Gott als verbindlich. Wenn sie ein Gesetz auflösten, dann galt es auch vor Gott als aufgelöst. –

Das klingt ziemlich anmaßend. Stellen sich hier Menschen über das Gesetz Gottes? Bestimmt hatten manche Schriftgelehrten Angst davor, diese Verantwortung zu übernehmen. Aus Angst, falsche Entscheidungen zu treffen, blieb in vielen Bereichen alles beim Alten. Auch, wenn es den Menschen nicht mehr nützte. Damit bürdeten sie den Gläubigen Gesetze auf, die diese nie halten konnten. Die Folge: Die Menschen hatten Angst davor, nie richtig vor Gott dastehen zu können. Aus Angst vor Veränderungen verbreiteten die Schriftgelehrten unter den Menschen damals eine Heidenangst.

Diese Vollmacht, die die Schriftgelehrten hatten, überträgt Jesus nun auf Petrus und die junge Kirche. Damit sagt er: „Macht ihr es besser! Öffnet den Menschen die Tür zur Liebe Gottes.“ Dazu müssen auch mal kirchliche Normen verändert werden. Und was die Kirche dann für verbindlich erklärt, das gilt auch vor Gott als verbindlich. Das gleiche gilt, wenn sie Normen ändert oder abschafft.

Die erste Norm der jungen Kirche hat Petrus selbst abgeschafft. Es ging um die Frage: Müssen Heiden, die getauft werden wollen, zuerst Juden werden? Nach heftigem Ringen verzichtet Petrus darauf. Danach erst konnte Paulus weiter missionieren. Nur dadurch breitete sich das Christentum aus: im ganzen Mittelmeerraum, in der ganzen Welt.

Was heißt das für die Kirche heute? Welche Normen eröffnen Menschen heute die Liebe Gottes? Welche schließen sie von seiner Liebe aus? Was bleibt verbindlich, wovon müssen wir uns lösen? Schwere Fragen – keine leichten Entscheidungen.

Vier Beispiele von vielen:

Das Sonntagsgebot:
Sonntags Eucharistie zu feiern ist für manche gar keine Frage – für Sie, die Sie hier sitzen, ist das keine Frage. Für Christen, die einen Zugang zur Liebe Gottes gefunden haben, ist das selbstverständlich. Wer mit Gott dagegen nichts anfangen kann, wird auch durch ein Gebot nicht dazu bewegt werden. Er hat ja gar keinen Grund, Gottesdienst zu feiern. Ich finde: Die Norm sollte bleiben. Sonntags die Messe zu feiern, können Christen nicht aufgeben, wenn sie mit Christus in Verbindung bleiben wollen. Allerdings: Für Christus werben ist besser, als zur Kirche zu zwingen.
 
Sexualmoral der Kirche:
Da lässt sich heute niemand mehr reinreden. Wichtiger als die Frage „wann darf man?“ scheint mir die Frage „wie kann man Sexualität verantwortlich leben?“ Treue, gegenseitige Wertschätzung und Liebe sind bleibende Werte! Entscheidend ist die Frage: Ist Sexualität Zeichen der Liebe oder ist der Partner nur ein Objekt, um eigene Bedürfnisse zu befriedigen? Sogenannte „eheliche Pflichten“ waren früher bestimmt für manche die Hölle auf Erden.

Wiederverheiratet Geschiedene:
Das Versprechen, ein Leben lang füreinander da zu sein und einander treu zu bleiben, was immer auch komme, halte ich für ein unheimlich hohes Gut. Das möchte ich auf keinen Fall aufgeben. Aber wie gehen wir mit dem Scheitern um?
Im Christentum ist sonst ja auch nach dem Scheitern ein Neuanfang möglich. Umkehr, Vergebung und Barmherzigkeit sind zentrale Themen der Botschaft Jesu. Ich persönlich hoffe, dass sich bald etwas ändert im kirchlichen Arbeitsrecht. Und vor allem bei der Zulassung wiederverheiratet Geschiedener zum Empfang der Sakramente. Wie sollen wir Menschen die Liebe Gottes eröffnen, wenn wir sie ausschließen von den Zeichen der Nähe Gottes?

Schließlich die Rolle der Frau in der Kirche:
Argumente gegen die Priesterweihe von Frauen findet man in der Bibel. Argumente dafür ebenfalls. Wer aber keine Argumente mehr hat, erlässt ein Diskussionsverbot. Papst Johannes Paul II. hatte endgültig festgelegt, dass die Kirche von Gott nicht dazu ermächtigt sei, Frauen zu weihen. Papst Franziskus hat in einem Interview bekräftigt, diese Tür sei verschlossen.
Nun, verschlossene Türen kann man öffnen – wenn man will. Selbst die heilige Pforte in Rom – sie ist zugemauert – wird alle 50 Jahre vom Papst selbst eingerissen. Und was die Ermächtigung der Kirche angeht: Jesus hat ihr die Binde- und Lösegewalt übertragen. Somit ist sie ermächtigt, auch diese Norm zu überdenken. Allerdings – manche Menschen scheinen noch nicht reif zu sein für solch eine Änderung. Auch heute noch werden manchmal Mädchen als Messdienerin abgelehnt, Frauen als Kommunionhelferin. Und ich schon ein paarmal als Leiterin einer Beerdigung. Und das nur, weil ich eine Frau bin! Manche Menschen scheinen eine panische Angst davor zu haben, dass sich etwas ändert.

Aber nur, was sich ändert, bleibt. Wer sich ändert, bleibt sich treu.
Die Kirche muss tun, was Jesus ihr aufgetragen hat: sich an Normen binden, die den Menschen die Liebe Gottes erschließen. Von anderen muss sie sich lösen. Das ist eine große Verantwortung. Aber Gott vertraut seiner Kirche. Er traut ihr etwas zu! Und sein Geist wirkt in ihr. Mit ihm brauchen wir keine Angst haben – auch nicht vor Veränderung. Denn nicht Panik bestimmt uns Christen, sondern Christus. Mit ihm finden wir zu Gott.
(Anne-Marie Eising, Pastoralreferentin St. Otger, Stadtlohn)